Fachwissen für digitale Entscheidungen
Kann ein bestehendes System übernommen und weiterentwickelt werden?
Kurzantwort
Der übliche Ablauf
1. Bestandsaufnahme
Welcher Code liegt vor, welche Abhängigkeiten sind veraltet, gibt es Tests, wie wird ausgeliefert, wo liegen die Daten? Diese Sichtung dauert wenige Tage und beantwortet die eigentliche Frage: übernehmen oder neu bauen.
2. Stabilisieren
Zuerst das, was Risiko trägt: veraltete Abhängigkeiten mit bekannten Lücken, fehlende Backups, ungeschützte Zugänge. Noch keine neuen Funktionen.
3. Absichern
Automatisierte Tests für die wichtigsten Abläufe – damit spätere Änderungen nicht unbemerkt etwas zerstören.
4. Weiterentwickeln
Erst jetzt neue Funktionen, schrittweise.
Warum Neubau meist die schlechtere Wahl ist
Ein gewachsenes System sieht von aussen unordentlich aus. Ein grosser Teil dieser Unordnung sind aber Sonderfälle, die über Jahre aufgetreten sind und gelöst wurden. Wer neu baut, baut diese Sonderfälle nicht mit – und trifft sie alle noch einmal, einzeln, im Produktivbetrieb.
Hinzu kommt: Während des Neubaus muss das alte System weiterlaufen und gepflegt werden. Sie zahlen doppelt.
Wann ein Neubau doch richtig ist
- Die eingesetzte Technik wird nicht mehr gepflegt und lässt sich nicht aktualisieren
- Es gibt keinen Quellcode mehr
- Das fachliche Modell passt grundlegend nicht mehr zum Geschäft
- Der Aufwand für jede kleine Änderung ist nachweislich höher als ein Neubau
Das sind vier klare Kriterien. „Der Code ist unschön" gehört nicht dazu.
Kernfakten
- Reihenfolge
- Sichten → stabilisieren → absichern → erweitern
- Neubau nur bei
- toter Technik, fehlendem Code oder falschem Fachmodell
- Unterschätzt
- Die Sonderfälle, die im alten System gelöst sind